MANGELERNÄHRUNG IM ALTER:
WER IST GEFÄHRDET? WAS IST ZU TUN?

hands of two peoples

Mangelernährung ist auch in Ländern mit gutem Nahrungsangebot keine Seltenheit. Im Alter und/oder infolge verschiedener Erkrankungen kann die Nahrungsaufnahme beeinträchtigt sein, so dass eine ausreichende Versorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen auf Dauer nicht sichergestellt ist.
Auch Störungen der Nahrungsverwertung können eine Rolle spielen. Hier erfahren Sie, wann das Risiko einer Mangelernährung besteht und welche Folgen sie haben kann. Außerdem geht es darum, wie sich Mangelernährung im Alter verhindern lässt bzw. wie man ihr entgegenwirken kann.

Ältere Menschen sind besonders gefährdet

Das erhöhte Krankheitsaufkommen im Alter ist einer der Gründe, warum das Risiko einer Mangelernährung bei betagten Patienten besonders hoch ist. Menschen jenseits des 70. Lebensjahrs weisen rund fünfmal häufiger einen kritischen Ernährungszustand auf als junge Erwachsene.3,4 Besonders gefährdet sind Bewohner von Senioren- und Pflegeheimen. Laut übereinstimmenden Studienergebnissen ist von einer kritischen Ernährungssituation bei etwa 60 % der Heimbewohner auszugehen.5

Wie Mangelernährung im Alter entstehen kann

Aber es sind nicht nur ernährungsrelevante Erkrankungen, die Menschen in höherem Alter besonders anfällig dafür macht, in einen Zustand der Mangelernährung hineinzugeraten. Auch Phänomene, die zum ganz normalen Alterungsprozess gehören, spielen eine Rolle: Im Alter nehmen das Hunger- und das Durstgefühl ab, und das Geschmacksempfinden lässt nach. Alle diese Faktoren können zur Appetitlosigkeit beitragen, unter der viele ältere Menschen leiden.


Außerdem haben ältere Menschen häufig mit Verdauungsproblemen zu tun. Magen, Darm und Gallenblase funktionieren nicht mehr so gut wie in jungen Jahren, was dazu führen kann, dass manche Speisen nicht mehr so gut verträglich sind. Verdauungsprobleme oder auch die Angst davor können ebenfalls dazu beitragen, dass ältere Menschen zu wenig essen bzw. sich wenig abwechslungsreich ernähren.


AuchKraftlosigkeit und eingeschränkte Beweglichkeit können einer ausgewogenen Ernährung im Alter entgegenstehen. Das fängt schon beim Einkaufen an, aber auch das Zubereiten der Mahlzeiten kann bei körperlicher Schwäche zum Kraftakt werden und erhebliche Überwindung kosten.

Seniors reading on laptop

Im Rahmen des natürlichen Alterungsprozesses verringert sich die Muskelmasse und die Muskelkraft lässt nach – ein Phänomen, das Mediziner als Sarkopenie bezeichnen. Eine ausreichende Energie- und Nährstoffzufuhr in Kombination mit einem individuell abgestimmten Bewegungsprogramm ist das A und O, um einer altersbedingten Sarkopenie vorzubeugen. Mangelernährung kann die Situation dramatisch verschlechtern und mit dazu beitragen, dass ältere Menschen pflegebedürftig werden.


Weitere Faktoren, die das Risiko einer Mangelernährung im Alter erhöhen, sind Vergesslichkeit und Verwirrtheit. Nachlassende kognitive Fähigkeiten wie Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit zählen ebenfalls zu den ganz normalen Alterserscheinungen und sind nicht zwingend Anzeichen einer Demenz. Durch die wachsende Zahl von Demenzerkrankungen wird diese Problematik allerdings enorm verschärft. Nicht zu unterschätzen ist schließlich der Faktor „Alterseinsamkeit“. Allein kann man sich viel schwerer aufraffen, einkaufen zu gehen, zu kochen und den Tisch schön zu decken. Und es gelingt nur wenigen Menschen, die Mahlzeiten ganz allein für sich zu zelebrieren und zu genießen.


In der Folge laufen ältere Menschen Gefahr, nicht genug zu essen, um ihren Energie- und Nährstoffbedarf zu decken. Hinzu kommt, dass die Nahrung oft wenig abwechslungsreich ist. Die veränderte Geschmackswahrnehmung bringt es mit sich, dass ältere Menschen süße Speisen besser erschmecken können als die verschiedenen Nuancen herzhafter Speisen. Das kann dazu beitragen, dass sich das Spektrum der bevorzugten Lebensmittel in Richtung „weniger gesund“ verschiebt.6

caregiver helping patient

Diese Faktoren können zu einer Mangelernährung im Alter beitragen:

  • Im Alter nehmen Hungergefühl und Geschmacksempfinden ab. Viele ältere Menschen leiden an Appetitlosigkeit.
  • Altersbedingte Kraftlosigkeit und Bewegungseinschränkungen können das Einkaufen sowie das Zubereiten von Mahlzeiten erschweren.
  • Körperliche Beschwerden nehmen im Alter zu. Ernährungsrelevant sind u. a. Kau- und Schluckbeschwerden, Übelkeit oder Schmerzen. Kognitive Defizite wie Vergesslichkeit und affektive Störungen wie depressive Verstimmungen können das Ernährungsverhalten ebenfalls negativ beeinflussen.
  • Auch psychosoziale Aspekte wie Alterseinsamkeit spielen eine Rolle.

Wenn Probleme mit fester Nahrung zu Mangelernährung führen

Wenn die Aufnahme fester Nahrung erschwert ist und das Risiko einer Mangelernährung besteht, kann Trinknahrung helfen. Das gilt für Menschen, die wegen Appetitlosigkeit kaum einen Bissen herunterbekommen, ebenso wie für Patienten mit Schleimhautentzündungen oder Schluckbeschwerden. Besonders bei erhöhtem Energie- und Nährstoffbedarf kann die teilweise oder komplette Umstellung auf Trinknahrung helfen, den täglichen Bedarf trotz ernährungsrelevanter Beschwerden zuverlässig zu decken.


Sie enthält alle wichtigen Nährstoffe, gebündelt in einer kleinen Portion, ist leicht verdaulich und in vielen leckeren Geschmacksrichtungen von fruchtig-süß bis pikant erhältlich. Übrigens nicht nur als trinkfertige Fläschchen, sondern auch als Brei, Dessert oder Suppe. So kann einerseits der Appetit angeregt werden, andererseits müssen die Betroffenen keine großen Portionen zu sich nehmen, oder feste Nahrung kauen und schlucken, um sich ausgewogen zu ernähren und den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen. Außerdem gibt es Trinknahrung in verschiedenen Zusammensetzungen. Hochkalorische Trinknahrung zielt vor allem darauf ab, eine erhöhte Energiezufuhr zu ermöglichen, die der Körper für lebenswichtige Prozesse braucht. Eiweißreiche Trinknahrung kommt bei erhöhtem Eiweißbedarf zum Einsatz, z. B. bei Dekubitus („Druckgeschwür“), Rekonvaleszenz (Genesung) oder gestörter Wundheilung.

Mangelernaehrung Alter

Sie kann deshalb sowohl bei quantitativer Mangelernährung (Mangel an Kalorien und Nährstoffen) als auch bei qualitativer Mangelernährung (Mangel an bestimmten Nährstoffen) helfen. Trinknahrung kommt häufig in der Onkologie, der Geriatrie und der Palliativpflege zum Einsatz.

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Ausgewogene Ernährung – was heißt das?

Welche Mengen der verschiedenen Makro- und Mikronährstoffe der Körper benötigt, ist relativ gut definiert. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat entsprechende Richtwerte für gesunde Menschen formuliert und gibt Empfehlungen, wie eine ausgewogene Nahrung zusammengesetzt sein sollte. Nährstofftabellen geben Aufschluss, welche Lebensmittel besonders reich an bestimmten Nährstoffen und deshalb für die Grundversorgung besonders gut geeignet sind. Mit diesen Informationen kann sich jeder einen individuellen Speiseplan zusammenstellen, der den eigenen Geschmacksvorlieben entspricht und gleichzeitig den Bedarf an lebenswichtigen Nährstoffen deckt.

Diese 10 Grundregeln für eine ausgewogene Ernährung hat die Deutsche Gesellschaft
für Ernährung formuliert:1

Soweit die Theorie. Die Praxis sieht allerdings anders aus. Viele Menschen ernähren sich nicht ausgewogen. Frisches Obst und Gemüse etwa stehen weitaus seltener auf dem Speisezettel, als es Gesundheitsexperten empfehlen.2 Das haben repräsentative Erhebungen in der Bevölkerung ergeben. Unwissenheit ist ein Grund für ungesundes Ernährungsverhalten, aber es gibt auch Menschen, die sich – wider besseres Wissen – gegen eine ausgewogene Ernährung entscheiden.

Ernährungsrelevante Beschwerden – Ursachen einer Mangelernährung

Eine ganz andere Situation liegt vor, wenn körperliche oder auch mentale Einschränkungen eine ausgewogene Ernährung erschweren oder gar unmöglich machen. Unterschiedliche Erkrankungen und Beschwerden können die Nahrungsaufnahme behindern. Kaubeschwerden zum Beispiel zählen dazu. Schlechtsitzende Zahnprothesen, aber auch entzündete Zahnfleischtaschen können beim Kauen quälende Schmerzen verursachen. Ein weiteres – mit Blick auf eine ausgewogene Ernährung – relevantes Problem sind Schluckstörungen. Sie kommen unter anderem bei der Parkinsonkrankheit, bei Multipler Sklerose, nach einem Schlaganfall sowie bei Tumorerkrankungen vor. Und auch geistige (das ist sprachlich richtig so) Leistungseinbußen etwa infolge einer Demenz können langfristig für eine Mangelernährung im Alter mitverantwortlich sein.

Diese Krankheiten bzw. Beschwerden erschweren eine ausgewogene Ernährung:

  • Schluckstörungen u. a. bei Nerven- und Muskelerkrankungen
  • Lähmungen z. B. nach Schlaganfall
  • Tumorerkrankungen
  • Demenz
  • Kaubeschwerden etwa durch schlechtsitzende Zahnprothesen

Viele Menschen mit Krebserkrankung tun sich mit dem Essen schwer. Das hat eine Reihe von Gründen. Appetitlosigkeit, Geschmacksstörungen, Schluckbeschwerden und Schmerzen tragen dazu bei, dass viele Tumorpatienten Mühe haben, genug zu essen und sich ausgewogen zu ernähren. Und nicht nur die Tumorerkrankung selbst, auch Radio- und Chemotherapie spielen eine Rolle. Übelkeit und Erbrechen, sowie Schleimhautentzündungen im Mund und Magen-Darm-Trakt sind Beispiele für ernährungsrelevante Nebenwirkungen der Krebstherapie. Hinzu kommt, dass bei Krebserkrankungen neben der Nahrungsaufnahme auch die Nahrungsverwertung beeinträchtigt sein kann.


Krebspatienten sind aus den genannten Gründen besonders gefährdet, in einen Zustand der Mangelernährung (Malnutrition) hineinzugeraten. Das Problem wird noch verschärft, weil Krebs eine konsumierende – auszehrende – Erkrankung ist und Tumorpatienten deshalb einen erhöhten Nährstoff- und Energiebedarf haben.

Das sind die wichtigsten Nährstoffe, die unser Körper benötigt:

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Makronährstoffe

  • Eiweißstoffe
  • Kohlenhydrate
  • Ballststoffe
  • Fette
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Mikronährstoffe

  • Vitamine
  • Mineralstoffe
  • Spurenelemente
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Wasser

Energielieferanten sowie Bau- und Betriebsstoffe

Energie gewinnt der Körper vor allem aus Kohlenhydraten und Fetten sowie zu einem geringeren Anteil auch aus Eiweißstoffen (Proteinen). Kohlenhydrate werden meist gleich „verbrannt“, um den laufenden Energiebedarf zu decken. Ein Großteil der Fette wird erst einmal eingelagert und später bei Bedarf wieder mobilisiert. Proteine werden in erster Linie als Bau- und Betriebsstoffe benötigt. Alle Organe und Gewebe sind aus Proteinen aufgebaut, die ihrerseits aus Aminosäureketten bestehen. Proteine und Aminosäuren sind zudem – als Betriebsstoffe – für die komplexen Stoffwechselvorgänge einschließlich einer schlagkräftigen Immunabwehr unerlässlich. Proteine mit Enzymfunktion steuern den Stoffwechsel und beschleunigen die zahlreichen biochemischen Reaktionen, die sonst bei Körpertemperatur nur sehr langsam oder überhaupt nicht ablaufen würden. Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette werden als Makronährstoffe zusammengefasst.


Zu den sogenannten Mikronährstoffen zählen in erster Linie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Auch diese Stoffe werden benötigt, damit unser Körper möglichst optimal funktioniert. Sie werden als Assistenten bei vielen biochemischen Reaktionen benötigt. Manche Mikronährstoffe schützen Gewebe und Organe zudem vor schädlichen Einflüssen.

Kleine Mengen, große Effekte

Auch das richtige Milieu ist von entscheidender Bedeutung: Die Körperzellen sind von Wasser umgeben, indem je nach Ort bestimmte Stoffe gelöst vorliegen. Spurenelemente wie Iod, Eisen und Zink werden – wie der Name sagt – nur in winzigen Mengen benötigt, dürfen aber ebenfalls nicht fehlen, wenn unser Körper gut funktionieren soll. Bei einem Mangel an Spurenelementen kann zum Beispiel der Hormonhaushalt empfindlich durcheinandergeraten und das körpereigenen Abwehrsystems kann an Schlagkraft verlieren.

Mangelernährung hat weitreichende Konsequenzen

Mangelernährung schadet der Gesundheit und führt zu Einbußen von Vitalität und Wohlbefinden. Eine Unterversorgung entwickelt sich oft schleichend und wird nicht selten erst erkannt, wenn bereits gesundheitliche Einbußen vorhanden sind. Gewichtsverlust und Muskelabbau schwächen den Körper und können die Leistungsfähigkeit erheblich reduzieren.


Typisch bei Mangelernährung ist außerdem chronische Müdigkeit, die mit kognitiven Defiziten wie mangelnder Konzentrationsfähigkeit einhergehen kann. Ein großes Problem stellen zudem Gangunsicherheit und erhöhte Sturzgefahr dar. Vor allem ältere Menschen können sich beim Hinfallen leicht Knochenbrüche und andere Verletzungen zuziehen. Hinzu kommt, dass Verletzungen bei Mangelernährung im Alter oft schlechter ausheilen – die Wundheilung ist also gestört. Auch das Immunsystem leidet unter einer Mangelernährung, was sich vor allem durch eine erhöhte Infektanfälligkeit bemerkbar macht.

Bei Menschen mit Krebs oder auch anderen Erkrankungen kann sich der Gesundheitszustand infolge einer Mangelernährung erheblich verschlechtern. Die Betroffenen geraten in einen Teufelskreis: Die Erkrankung begünstigt eine Mangelernährung, die wiederum einen ungünstigen Einfluss auf die Grunderkrankung hat.


Krebspatienten sind durch ihre Tumorerkrankung oft stark geschwächt (Tumorkachexie) und auch gängige Krebstherapien zehren erst einmal an den Kräften. Eine ausreichende Energie- und Nährstoffversorgung ist in dieser Situation von entscheidender Bedeutung und kann einen positiven Einfluss auf die Chemotherapie haben. Diese basiert in der Planung außerdem auf dem Körpergewicht des Patienten. Ist dieses zu gering, kann das zu Problemen führen.


Tatsächlich aber ist eine ausgewogene Ernährung bei Tumorerkrankungen oft erschwert, was einen ohnehin schlechten Gesundheitszustand noch erheblich zuspitzen kann. Eine häufige Komplikation in fortgeschrittenen Stadien ist die Tumorkachexie. Die Patienten magern ab und leiden unter Kräfteverfall, chronischer Müdigkeit und Erschöpfung. Ursächlich ist wahrscheinlich eine Kombination verschiedener Faktoren, wobei eine unzureichende Energie- und Nährstoffversorgung eine wichtige Rolle spielen kann.

Mögliche Symptome & Folgen bei Mangelernährung:

  • Ungewollter Gewichtsverlust
  • Muskelabbau
  • Verringerung der Herzmuskel-masse,
    Herzrhythmusstörungen
  • Schwäche
  • Chronische Müdigkeit
  • Verringerte körperliche und geistige
  • Leistungsfähigkeit
  • Erhöhte Sturzgefahr, erhöhtes
    Risiko von Knochenbrüchen und Verletzungen
  • Wundheilungsstörungen
  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Negative Auswirkungen auf Grunderkrankungen
    wie Krebs und Demenz
  • Erhöhtes Risiko für Pflegebedürftigkeit

Die Diagnose - Das Gewicht regelmäßig kontrollieren

Menschen, bei denen ein erhöhtes Risiko für eine Mangelernährung besteht, sollten ihr Körpergewicht im Auge behalten und bei ungewollten Gewichtsverlusten zeitnah ihren Arzt konsultieren. Aber – wie gesagt – Mangelernährung geht nicht zwingend mit einer Gewichtsabnahme einher. Das ist nur der Fall, wenn der Energiegehalt der Ernährung über einen längeren Zeitraum geringer ist als der Energieverbrauch. Risikopersonen sollten deshalb daran denken, dass auch bei stabilem Gewicht – und sogar bei Übergewicht – die Möglichkeit einer qualitativen Mangelernährung besteht.

Von einer quantitativen Mangelernährung ist definitionsgemäß auszugehen:7

BMI

bei einem Body Mass Index* unter 18,5 kg/m2

ODER

10%

bei einem ungewollten Gewichtsverlust von mehr als 10 % in den letzten 3 bis 6 Monaten

ODER

5%

bei einem BMI unter 20 kg/m2 und unbeabsichtigten Gewichtsverlusten von mehr als 5 % in den letzten 3 bis 6 Monaten

Ungewollter Gewichtsverlust kann sich eventuell dadurch bemerkbar machen, dass die Kleidung und auch Ringe oder die Armbanduhr plötzlich weiter sitzen. Darauf sollten Risikopersonen achten. Und sie sollten darüber informiert sein, wie sich eine Mangelernährung – abgesehen von Gewichtsveränderungen – sonst noch bemerkbar machen kann. U. a. chronische Müdigkeit, Wundheilungsstörungen und erhöhte Infektanfälligkeit können Anzeichen sein. Bei entsprechenden Beschwerden sollte ein Arzt abklären, was dahintersteckt.


Zur Diagnose einer Mangelernährung werden vor allem Screening-Verfahren wie das MNA- und MUST-Screening verwendet. Hierbei beantwortet der Patient diverse Fragen zu der Entwicklung seines Körpergewichts und seiner Ernährung, die deutliche Anhaltspunkte zum Vorliegen einer Mangelernährung geben können.

Young woman holding hands of old woman

Mit Beschwerden umgehen lernen, Ernährung optimieren

In punkto Mangelernährung gilt wie so oft in der Medizin: Am besten lässt man es gar nicht so weit kommen. Entscheidend ist, dass sich Risikopersonen wie ältere Menschen und Tumorpatienten der Problematik bewusst sind und eine Schulung erhalten, wie sie sich – trotz eventuell vorhandener Beschwerden – ausreichend und ausgewogen ernähren können.


Grundlegend für eine wirksame Prävention bzw. Therapie von Mangelernährung ist eine umfassende Anamnese. Das ist eine ausführliche Befragung zum Ernährungsverhalten und Einschränkungen bei der Nahrungsaufnahme. Auf der Grundlage dieser Anamnese kann dann eine gezielte Ernährungsberatung erfolgen, um einer Mangelernährung vorzubeugen oder eine bestehende Mangelernährung zu korrigieren. Auch die individuellen Geschmacksvorlieben sollten bei der Anamnese erfasst und bei der Entwicklung eines geeigneten Ernährungsplans berücksichtigt werden. Eine Strategie, die sich ausschließlich an den medizinischen Erfordernissen orientiert, wird auf Dauer nicht erfolgreich sein. Das sind reichhaltige Energie- und Nährstoffquellen.


Ernährungsrelevante Beschwerden müssen identifiziert und – wenn möglich – beseitigt werden. Probleme beim Kauen zum Beispiel lassen sich oft durch eine Zahnsanierung oder die Anpassung der Zahnprothese beheben. Allerdings gibt es andere ernährungsrelevante Beschwerden, die sich nicht so einfach ausräumen lassen. In solchen Fällen ist es wichtig, dass die Betroffenen im Umgang mit ihren Beschwerden geschult werden. Bei Appetitlosigkeit oder Schluckstörungen zum Beispiel ist es hilfreich, die Nahrungsaufnahme aufzusplitten und statt den üblichen großen Mahlzeiten viele kleine Portionen über den Tag zu verteilen. Menschen mit Schluckstörungen sollten außerdem wissen, dass sie beim Essen und Trinken den Oberkörper aufrichten und den Kopf leicht nach vorne beugen sollten.8

Patient with caregiver

Um eine bestehende oder drohende Mangelernährung abzuwenden, wird die normale Kost zunächst gezielt angereichert. Je nach individuellem Bedarf werden vermehrt Lebensmittel auf den Speisezettel gesetzt, die eine hohe Energiedichte bzw. einen hohen Gehalt an bestimmten Nährstoffen wie etwa Proteinen aufweisen. Ziel ist, eine individuelle Form der ausgewogenen Ernährung zu finden, die von den Betroffenen akzeptiert wird und auch umgesetzt werden kann.


Auch der Einsatz bedarfsadaptierter Trinknahrung ist eine geeignete Strategie, um einen kritischen Ernährungszustand zu verhindern oder zu korrigieren. Es gibt Trinknahrung für unterschiedliche Bedürfnisse und unterschiedliche Geschmacksvorlieben. Sie ermöglicht die Aufnahme hoher Energie- und Nährstoffmengen in kleinen Portionen. Diätetisch vollständige Trinknahrung enthält alles, was der Körper braucht und kann eventuell allein zur Bedarfsdeckung verwendet werden. Vollbilanzierte oder teilbilanzierte Trinknahrung kann aber auch mit normaler Ernährung kombiniert werden.

  • Nicht auf die Schnelle essen, sondern Zeit nehmen für die Mahlzeiten.
  • Wenn es am Appetit mangelt oder das Schlucken schwerfällt, ist es hilfreich, viele kleine Portionen über den Tag zu verteilen.
  • Ein Spaziergang an der frischen Luft vor dem Essen regt den Appetit an.
  • Wenn Schmerzen beim Kauen auftreten, sollten die Zähne bzw. die Zahnprothese überprüft werden.
  • Medizinische Hilfsmittel wie Besteck mit verstärkten Griffen für Menschen mit eingeschränkter Feinmotorik, können beim Essen unterstützen.
  • Wenn das Einkaufen schwerfällt, kann der Lieferservice, den viele Supermärkte anbieten, eine gute Alternative sein.
  • Im Rahmen einer Ernährungsberatung können realistische Ernährungsstrategien entwickelt werden. Ggf. kommen Trinknahrungen in Betracht, um die Ernährung zu ergänzen oder zu ersetzen.
  • Energie: Sahne, Butter, Creme fraiche
  • Eiweiß: Mageres Fleisch, Fisch wie Lachs und Heilbutt, Speisequark, Eier, Hülsenfrüchte
  • Kalium: Kartoffeln, Broccoli, Blumenkohl, Spinat, Möhren, Bananen, Äpfel, Avocados, Aprikosen, Honigmelonen
  • Calcium: Milch, Joghurt, Vollkornbrot, Broccoli, Käse, calciumreiches Mineralwasser
  • Vitamin K: Gemüse, Eigelb, Käse, Leber
  • Vitamin D: Margarine, Milchprodukte, Eigelb, Kalbfleisch, Fettfische
  • Magnesium: Vollkornreis und -nudeln, Mandeln, Walnüsse, Hülsenfrüchte, Sonnenblumenkerne, Kakao, Himbeeren, Bananen, Kiwis, Spinat, Mais, Mineralwasser
  • Natrium: Schwarze Oliven, dunkelgrünes Blattgemüse, Salz, Sojasoße, Salami, Käse, Schinken

Weitere Informationen zur Mangelernährung

Onkologie

Symptome

Anzeichen und Symptome einer Mangelernährung sollten rechtzeitig erkannt und eine angepasste Ernährungstherapie eingeleitet werden.

Doctor explains to patients about malnutrition

Behandlung

Im privaten Bereich sollten erste Anzeichen einer Fehl- und Mangelernährung genau beobachtet und mit dem behandelnden Arzt geeignete Behandlungsoptionen abgestimmt werden.

woman in glasses

Diagnose

Zur Diagnose einer Mangelernährung werden neben der Einschätzung des Ernährungszustandes vor allem Screening-Verfahren wie der Mangelernährung-Risiko-Test (MNA®) verwendet.

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. Vollwertig essen und trinken nach den 10 Regeln der DGE. Online verfügbar unter: https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/10-regeln-der-dge/?L=0 – Zuletzt abgerufen: Januar 2021.
  2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. Bedeutung von Obst und Gemüse in der Ernährung des Menschen. Online verfügbar unter: https://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/fachinformationen/bedeutung-von-obst-und-gemuese-in-der-ernaehrung-des-menschen/?L=0 – Zuletzt abgerufen: Januar 2021.
  3. Pirlich M et al. The German Hospital Malnutrition Study. Clinical Nutrition 2006;25:563-572.
  4. Pirlich M et al. Prevalence of malnutrition in hospitalized medical patients: impact of underlying disease. Digestive Diseases 2003;21:2445-2251.
  5. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. Gefährlicher Gewichtsverlust bei Senioren DGVS: Mangelernährung im Alter frühzeitig erkennen und behandeln. Online verfügbar unter: https://www.dgvs.de/pressemitteilungen/gefaehrlicher-gewichtsverlust-bei-senioren-dgvsmangelernaehrung-im-alter-fruehzeitig-erkennen-und-behandeln/ – Zuletzt abgerufen: Januar 2021.
  6. Deutsche Seniorenliga e.V. Mangelernährung im Alter. Leitfaden für Angehörige. Online verfügbar unter: https://www.vdd.de/fileadmin/downloads/VDD_Downloads_geriatrie/ – Broschuere_Mangelernaehrung-der-DSL-1.pdf – Zuletzt abgerufen: Januar 2021.
  7. Valentini L et al. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM). DGEM-Terminologie in der Klinischen Ernährung. Aktuell Ernährungsmed 2013;38:97-111.
  8. Zentrum für Qualität in der Pflege. Tipps gegen Mangelernährung. Online verfügbar unter: https://www.pflege-praevention.de/tipps/mangelernaehrung-pflegebeduerftige/ – Zuletzt abgerufen: Januar 2021.
  9. Berliner Krebsgesellschaft e. V. Ratgeber: Unterstützende Ernährungstherapie bei Krebserkrankungen. Online verfügbar unter: https://www.berliner-krebsgesellschaft.de/fileadmin/user_upload/Patientenratgeber/pdfs_Brosch%C3%BCren /Unterstuetzende_Ernaehrungstherapie.pdf – Zuletzt abgerufen: Januar 2021.