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Mangelernährung: Wer ist gefährdet? Was ist zu tun?





Mangelernährung ist auch in Ländern mit gutem Nahrungsangebot keine Seltenheit. Im Alter und/oder infolge verschiedener Erkrankungen kann die Nahrungsaufnahme beeinträchtigt sein, so dass eine ausreichende Versorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen auf Dauer nicht sichergestellt ist. Auch Störungen der Nahrungsverwertung können eine Rolle spielen. Hier erfahren Sie, wann das Risiko einer Mangelernährung besteht und welche Folgen sie haben kann. Außerdem geht es darum, wie sich Mangelernährung verhindern lässt bzw. wie man ihr entgegenwirken kann.

Ausgewogene Ernährung – was heißt das?


Welche Mengen der verschiedenen Makro- und Mikronährstoffe der Körper benötigt, ist relativ gut definiert. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat entsprechende Richtwerte für gesunde Menschen formuliert und gibt Empfehlungen, wie eine ausgewogene Nahrung zusammengesetzt sein sollte. Nährstofftabellen geben Aufschluss, welche Lebensmittel besonders reich an bestimmten Nährstoffen und deshalb für die Grundversorgung besonders gut geeignet sind. Mit diesen Informationen kann sich jeder einen individuellen Speiseplan zusammenstellen, der den eigenen Geschmacksvorlieben entspricht und gleichzeitig den Bedarf an lebenswichtigen Nährstoffen deckt.

Diese 10 Grundregeln für eine ausgewogene Ernährung hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung formuliert:1



Weitere Informationen unter www.dge.de



Soweit die Theorie. Die Praxis sieht allerdings anders aus. Viele Menschen ernähren sich nicht ausgewogen. Frisches Obst und Gemüse etwa stehen weitaus seltener auf dem Speisezettel, als es Gesundheitsexperten empfehlen.2 Das haben repräsentative Erhebungen in der Bevölkerung ergeben. Unwissenheit ist ein Grund für ungesundes Ernährungsverhalten, aber es gibt auch Menschen, die sich – wider besseres Wissen – gegen eine ausgewogene Ernährung entscheiden.



Ernährungsrelevante Beschwerden – Ursachen einer Mangelernährung


Eine ganz andere Situation liegt vor, wenn körperliche oder auch mentale Einschränkungen eine ausgewogene Ernährung erschweren oder gar unmöglich machen. Unterschiedliche Erkrankungen und Beschwerden können die Nahrungsaufnahme behindern. Kaubeschwerden zum Beispiel zählen dazu. Schlechtsitzende Zahnprothesen, aber auch entzündete Zahnfleischtaschen können beim Kauen quälende Schmerzen verursachen. Ein weiteres – mit Blick auf eine ausgewogene Ernährung – relevantes Problem sind Schluckstörungen. Sie kommen unter anderem bei der Parkinsonkrankheit, bei Multipler Sklerose, nach einem Schlaganfall sowie bei Tumorerkrankungen vor. Und auch geistige (das ist sprachlich richtig so) Leistungseinbußen etwa infolge einer Demenz können langfristig für eine Mangelernährung mitverantwortlich sein.



Diese Krankheiten bzw. Beschwerden erschweren eine ausgewogene Ernährung:

  • Kaubeschwerden etwa durch schlechtsitzende Zahnprothesen
  • Schluckstörungen u. a. bei Nerven- und Muskelerkrankungen
  • Lähmungen z. B. nach Schlaganfall
  • Tumorerkrankungen
  • Demenz


Viele Menschen mit Krebserkrankung tun sich mit dem Essen schwer. Das hat eine Reihe von Gründen. Appetitlosigkeit, Geschmacksstörungen, Schluckbeschwerden und Schmerzen tragen dazu bei, dass viele Tumorpatienten Mühe haben, genug zu essen und sich ausgewogen zu ernähren. Und nicht nur die Tumorerkrankung selbst, auch Radio- und Chemotherapie spielen eine Rolle. Übelkeit und Erbrechen, sowie Schleimhautentzündungen im Mund und Magen-Darm-Trakt sind Beispiele für ernährungsrelevante Nebenwirkungen der Krebstherapie. Hinzu kommt, dass bei Krebserkrankungen neben der Nahrungsaufnahme auch die Nahrungsverwertung beeinträchtigt sein kann.


Krebspatienten sind aus den genannten Gründen besonders gefährdet, in einen Zustand der Mangelernährung (Malnutrition) hineinzugeraten. Das Problem wird noch verschärft, weil Krebs eine konsumierende – auszehrende – Erkrankung ist und Tumorpatienten deshalb einen erhöhten Nährstoff- und Energiebedarf haben.



Ältere Menschen sind besonders gefährdet


Das erhöhte Krankheitsaufkommen im Alter ist einer der Gründe, warum das Risiko einer Mangelernährung bei betagten Patienten besonders hoch ist. Menschen jenseits des 70. Lebensjahrs weisen rund fünfmal häufiger einen kritischen Ernährungszustand auf als junge Erwachsene.3,4 Besonders gefährdet sind Bewohner von Senioren- und Pflegeheimen. Laut übereinstimmenden Studienergebnissen ist von einer kritischen Ernährungssituation bei etwa 60 % der Heimbewohner auszugehen.5



Wie Mangelernährung im Alter entstehen kann


Aber es sind nicht nur ernährungsrelevante Erkrankungen, die Menschen in höherem Alter besonders anfällig dafür macht, in einen Zustand der Mangelernährung hineinzugeraten. Auch Phänomene, die zum ganz normalen Alterungsprozess gehören, spielen eine Rolle: Im Alter nehmen das Hunger- und das Durstgefühl ab, und das Geschmacksempfinden lässt nach. Alle diese Faktoren können zur Appetitlosigkeit beitragen, unter der viele ältere Menschen leiden.


Außerdem haben ältere Menschen häufig mit Verdauungsproblemen zu tun. Magen, Darm und Gallenblase funktionieren nicht mehr so gut wie in jungen Jahren, was dazu führen kann, dass manche Speisen nicht mehr so gut verträglich sind. Verdauungsprobleme oder auch die Angst davor können ebenfalls dazu beitragen, dass ältere Menschen zu wenig essen bzw. sich wenig abwechslungsreich ernähren.


Auch Kraftlosigkeit und eingeschränkte Beweglichkeit können einer ausgewogenen Ernährung im Alter entgegenstehen. Das fängt schon beim Einkaufen an, aber auch das Zubereiten der Mahlzeiten kann bei körperlicher Schwäche zum Kraftakt werden und erhebliche Überwindung kosten.


Im Rahmen des natürlichen Alterungsprozesses verringert sich die Muskelmasse und die Muskelkraft lässt nach – ein Phänomen, das Mediziner als Sarkopenie bezeichnen. Eine ausreichende Energie- und Nährstoffzufuhr in Kombination mit einem individuell abgestimmten Bewegungsprogramm ist das A und O, um einer altersbedingten Sarkopenie vorzubeugen. Mangelernährung kann die Situation dramatisch verschlechtern und mit dazu beitragen, dass ältere Menschen pflegebedürftig werden.


Weitere Faktoren, die das Risiko einer Mangelernährung im Alter erhöhen, sind Vergesslichkeit und Verwirrtheit. Nachlassende kognitive Fähigkeiten wie Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit zählen ebenfalls zu den ganz normalen Alterserscheinungen und sind nicht zwingend Anzeichen einer Demenz. Durch die wachsende Zahl von Demenzerkrankungen wird diese Problematik allerdings enorm verschärft. Nicht zu unterschätzen ist schließlich der Faktor „Alterseinsamkeit“. Allein kann man sich viel schwerer aufraffen, einkaufen zu gehen, zu kochen und den Tisch schön zu decken. Und es gelingt nur wenigen Menschen, die Mahlzeiten ganz allein für sich zu zelebrieren und zu genießen.


In der Folge laufen ältere Menschen Gefahr, nicht genug zu essen, um ihren Energie- und Nährstoffbedarf zu decken. Hinzu kommt, dass die Nahrung oft wenig abwechslungsreich ist. Die veränderte Geschmackswahrnehmung bringt es mit sich, dass ältere Menschen süße Speisen besser erschmecken können als die verschiedenen Nuancen herzhafter Speisen. Das kann dazu beitragen, dass sich das Spektrum der bevorzugten Lebensmittel in Richtung „weniger gesund“ verschiebt.6



Diese Faktoren können zu einer Mangelernährung im Alter beitragen:

  • Im Alter nehmen Hungergefühl und Geschmacksempfinden ab. Viele ältere Menschen leiden an Appetitlosigkeit.
  • Altersbedingte Kraftlosigkeit und Bewegungseinschränkungen können das Einkaufen sowie das Zubereiten von Mahlzeiten erschweren.
  • Körperliche Beschwerden nehmen im Alter zu. Ernährungsrelevant sind u. a. Kau- und Schluckbeschwerden, Übelkeit oder Schmerzen. Kognitive Defizite wie Vergesslichkeit und affektive Störungen wie depressive Verstimmungen können das Ernährungsverhalten ebenfalls negativ beeinflussen.
  • Auch psychosoziale Aspekte wie Alterseinsamkeit spielen eine Rolle.


Wenn Probleme mit fester Nahrung zu Mangelernährung führen


Wenn die Aufnahme fester Nahrung erschwert ist und das Risiko einer Mangelernährung besteht, kann Trinknahrung helfen. Das gilt für Menschen, die wegen Appetitlosigkeit kaum einen Bissen herunterbekommen, ebenso wie für Patienten mit Schleimhautentzündungen oder Schluckbeschwerden. Besonders bei erhöhtem Energie- und Nährstoffbedarf kann die teilweise oder komplette Umstellung auf Trinknahrung helfen, den täglichen Bedarf trotz ernährungsrelevanter Beschwerden zuverlässig zu decken.



Sie enthält alle wichtigen Nährstoffe, gebündelt in einer kleinen Portion, ist leicht verdaulich und in vielen leckeren Geschmacksrichtungen von fruchtig-süß bis pikant erhältlich. Übrigens nicht nur als trinkfertige Fläschchen, sondern auch als Brei, Dessert oder Suppe. So kann einerseits der Appetit angeregt werden, andererseits müssen die Betroffenen keine großen Portionen zu sich nehmen, oder feste Nahrung kauen und schlucken, um sich ausgewogen zu ernähren und den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen. Außerdem gibt es Trinknahrung in verschiedenen Zusammensetzungen. Hochkalorische Trinknahrung zielt vor allem darauf ab, eine erhöhte Energiezufuhr zu ermöglichen, die der Körper für lebenswichtige Prozesse braucht. Eiweißreiche Trinknahrung kommt bei erhöhtem Eiweißbedarf zum Einsatz, z. B. bei Dekubitus („Druckgeschwür“), Rekonvaleszenz (Genesung) oder gestörter Wundheilung.



Trinknahrungen enthalten alle therapeutisch erforderlichen Makro- und Mikronährstoffe in geeigneter Menge voll- oder teilbilanziert:

  • Kaubeschwerden etwa durch schlechtsitzende Zahnprothesen
  • Schluckstörungen u. a. bei Nerven- und Muskelerkrankungen
  • Lähmungen z. B. nach Schlaganfall
  • Kaubeschwerden etwa durch schlechtsitzende Zahnprothesen
  • Schluckstörungen u. a. bei Nerven- und Muskelerkrankungen
  • Lähmungen z. B. nach Schlaganfall


Sie kann deshalb sowohl bei quantitativer Mangelernährung (Mangel an Kalorien und Nährstoffen) als auch bei qualitativer Mangelernährung (Mangel an bestimmten Nährstoffen) helfen. Trinknahrung kommt häufig in der Onkologie, der Geriatrie und der Palliativpflege zum Einsatz.



Diese Nährstoffe bilden die Basis für Gesundheit und Wohlbefinden


Für Gesundheit, Vitalität und Wohlbefinden ist eine ausgewogene Ernährung grundlegend. Die Nahrung liefert einerseits die notwendige Energie für alle Lebensvorgänge. Andererseits enthält sie unterschiedliche Nährstoffe, die der Körper als Baustoffe und Betriebsstoffe benötigt, aber nicht selbst herstellen kann. Solche Nährstoffe sind für unsere Gesundheit essenziell und müssen in ausreichenden Mengen aufgenommen werden.



Das sind die wichtigsten Nährstoffe, die unser Körper benötigt:

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Makronährstoffe

  • Eiweißstoffe

  • Kohlenhydrate

  • Ballststoffe

  • Fette

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Makronährstoffe

  • Vitamine

  • Mineralstoffe

  • Spurenelemente

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Wasser



Energielieferanten sowie Bau- und Betriebsstoffe


Energie gewinnt der Körper vor allem aus Kohlenhydraten und Fetten sowie zu einem geringeren Anteil auch aus Eiweißstoffen (Proteinen). Kohlenhydrate werden meist gleich „verbrannt“, um den laufenden Energiebedarf zu decken. Ein Großteil der Fette wird erst einmal eingelagert und später bei Bedarf wieder mobilisiert. Proteine werden in erster Linie als Bau- und Betriebsstoffe benötigt. Alle Organe und Gewebe sind aus Proteinen aufgebaut, die ihrerseits aus Aminosäureketten bestehen. Proteine und Aminosäuren sind zudem – als Betriebsstoffe – für die komplexen Stoffwechselvorgänge einschließlich einer schlagkräftigen Immunabwehr unerlässlich. Proteine mit Enzymfunktion steuern den Stoffwechsel und beschleunigen die zahlreichen biochemischen Reaktionen, die sonst bei Körpertemperatur nur sehr langsam oder überhaupt nicht ablaufen würden. Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette werden als Makronährstoffe zusammengefasst.


Zu den sogenannten Mikronährstoffen zählen in erster Linie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Auch diese Stoffe werden benötigt, damit unser Körper möglichst optimal funktioniert. Sie werden als Assistenten bei vielen biochemischen Reaktionen benötigt. Manche Mikronährstoffe schützen Gewebe und Organe zudem vor schädlichen Einflüssen.



Kleine Mengen, große Effekte


Auch das richtige Milieu ist von entscheidender Bedeutung: Die Körperzellen sind von Wasser umgeben, indem je nach Ort bestimmte Stoffe gelöst vorliegen. Spurenelemente wie Iod, Eisen und Zink werden – wie der Name sagt – nur in winzigen Mengen benötigt, dürfen aber ebenfalls nicht fehlen, wenn unser Körper gut funktionieren soll. Bei einem Mangel an Spurenelementen kann zum Beispiel der Hormonhaushalt empfindlich durcheinandergeraten und das körpereigenen Abwehrsystems kann an Schlagkraft verlieren.



Unterschiede zwischen quantitativer und qualitativer Mangelernährung


Bei einer Mangelernährung wird der Körper über einen längeren Zeitraum hinweg nicht ausreichend mit lebenswichtigen Nährstoffen versorgt. Bei der quantitativen Mangelernährung – auch als Unterernährung bezeichnet – nimmt der Betroffene zu wenig Nahrung zu sich, um eine ausreichende Energie- und Nährstoffversorgung zu gewährleisten. Sie führt auf kurz oder lang zu ungewollten Gewichtsverlusten, weil der Körper mehr Energie verbraucht, als ihm mit der Nahrung zugeführt wird. Deshalb greift der Körper seine Reserven an. Falls vorhanden verbrennt er Speicherfett, um Energie zu gewinnen. Aber es kann auch passieren, dass Muskelmasse angegriffen wird. Ungewollte Gewichtsverluste eventuell kombiniert mit einem Muskelabbau sind die Folgen.


Bei der qualitativen Mangelernährung dagegen ist der Energiebedarf gedeckt, aber die Zusammensetzung der Nahrung stimmt nicht, so dass ein Mangel an einzelnen lebenswichtigen Nährstoffen besteht. Es kann sogar sein, dass Menschen mit Übergewicht eine qualitative Mangelernährung aufweisen. Auch ohne Untergewicht kann die qualitative Mangelernährung zu Problemen führen, denn es geht bei der ausreichenden Versorgung mit Nährstoffen nicht nur um Energie und Gewicht. Der Körper benötigt Nährstoffe für alle inneren Prozesse, Organe und Funktionen. Stehen sie – aus welchen Gründen auch immer – nicht in ausreichender Menge zur Verfügung, kann das weitreichende Folgen haben.



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Quantitative Mangelernährung
  • Betroffene essen zu wenig, wodurch es zu einer Mangelernährung kommt

  • Körper verbraucht mehr Energie als ihm zugeführt wird

  • Es kommt zu Gewichtsverlust und zum Abbau von Muskelmasse

  • Körper erhält sowohl zu wenig Energie (Gewichtsverlust), als auch zu wenig Nährstoffe


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Qualitative Mangelernährung
  • Betroffene nehmen quantitativ genug Nahrung zu sich, aber nicht ausgewogen

  • Körper bekommt zwar ausreichend Energie, aber es mangelt an einzelnen Nährstoffen

  • Führt meistens nicht zu Gewichtsverlust, kann aber andere unerwünschte Folgen mit sich bringen

  • Menschen mit Übergewicht können unter qualitativer Mangelernährung leiden



Mangelernährung hat weitreichende Konsequenzen


Mangelernährung schadet der Gesundheit und führt zu Einbußen von Vitalität und Wohlbefinden. Eine Unterversorgung entwickelt sich oft schleichend und wird nicht selten erst erkannt, wenn bereits gesundheitliche Einbußen vorhanden sind. Gewichtsverlust und Muskelabbau schwächen den Körper und können die Leistungsfähigkeit erheblich reduzieren.


Typisch bei Mangelernährung ist außerdem chronische Müdigkeit, die mit kognitiven Defiziten wie mangelnder Konzentrationsfähigkeit einhergehen kann. Ein großes Problem stellen zudem Gangunsicherheit und erhöhte Sturzgefahr dar. Vor allem ältere Menschen können sich beim Hinfallen leicht Knochenbrüche und andere Verletzungen zuziehen. Hinzu kommt, dass Verletzungen bei Mangelernährung oft schlechter ausheilen – die Wundheilung ist also gestört. Auch das Immunsystem leidet unter einer Mangelernährung, was sich vor allem durch eine erhöhte Infektanfälligkeit bemerkbar macht.

Es droht ein Teufelskreis


Die Diagnose - Das Gewicht regelmäßig kontrollieren


Menschen, bei denen ein erhöhtes Risiko für eine Mangelernährung besteht, sollten ihr Körpergewicht im Auge behalten und bei ungewollten Gewichtsverlusten zeitnah ihren Arzt konsultieren. Aber – wie gesagt – Mangelernährung geht nicht zwingend mit einer Gewichtsabnahme einher. Das ist nur der Fall, wenn der Energiegehalt der Ernährung über einen längeren Zeitraum geringer ist als der Energieverbrauch. Risikopersonen sollten deshalb daran denken, dass auch bei stabilem Gewicht – und sogar bei Übergewicht – die Möglichkeit einer qualitativen Mangelernährung besteht.



Von einer quantitativen Mangelernährung ist definitionsgemäß auszugehen7

BMI



bei einem Body Mass Index* unter 18,5 kg/m2

10%



bei einem ungewollten Gewichtsverlust von mehr als 10 % in den letzten 3 bis 6 Monaten

5%



bei einem BMI unter 20 kg/m2 und unbeabsichtigten Gewichtsverlusten von mehr als 5 % in den letzten 3 bis 6 Monaten

* Der Body Mass Index (BMI) wird berechnet nach der Formel: Körpergewicht (kg) / Körpergröße (m)2.



Ungewollter Gewichtsverlust kann sich eventuell dadurch bemerkbar machen, dass die Kleidung und auch Ringe oder die Armbanduhr plötzlich weiter sitzen. Darauf sollten Risikopersonen achten. Und sie sollten darüber informiert sein, wie sich eine Mangelernährung – abgesehen von Gewichtsveränderungen – sonst noch bemerkbar machen kann. U. a. chronische Müdigkeit, Wundheilungsstörungen und erhöhte Infektanfälligkeit können Anzeichen sein. Bei entsprechenden Beschwerden sollte ein Arzt abklären, was dahintersteckt.


Zur Diagnose einer Mangelernährung werden vor allem Screening-Verfahren wie das MNA- und MUST-Screening verwendet. Hierbei beantwortet der Patient diverse Fragen zu der Entwicklung seines Körpergewichts und seiner Ernährung, die deutliche Anhaltspunkte zum Vorliegen einer Mangelernährung geben können.



Mit Beschwerden umgehen lernen, Ernährung optimieren


In punkto Mangelernährung gilt wie so oft in der Medizin: Am besten lässt man es gar nicht so weit kommen. Entscheidend ist, dass sich Risikopersonen wie ältere Menschen und Tumorpatienten der Problematik bewusst sind und eine Schulung erhalten, wie sie sich – trotz eventuell vorhandener Beschwerden – ausreichend und ausgewogen ernähren können.


Grundlegend für eine wirksame Prävention bzw. Therapie von Mangelernährung ist eine umfassende Anamnese. Das ist eine ausführliche Befragung zum Ernährungsverhalten und Einschränkungen bei der Nahrungsaufnahme. Auf der Grundlage dieser Anamnese kann dann eine gezielte Ernährungsberatung erfolgen, um einer Mangelernährung vorzubeugen oder eine bestehende Mangelernährung zu korrigieren. Auch die individuellen Geschmacksvorlieben sollten bei der Anamnese erfasst und bei der Entwicklung eines geeigneten Ernährungsplans berücksichtigt werden. Eine Strategie, die sich ausschließlich an den medizinischen Erfordernissen orientiert, wird auf Dauer nicht erfolgreich sein. Das sind reichhaltige Energie- und Nährstoffquellen

Ernährungsrelevante Beschwerden müssen identifiziert und – wenn möglich – beseitigt werden. Probleme beim Kauen zum Beispiel lassen sich oft durch eine Zahnsanierung oder die Anpassung der Zahnprothese beheben. Allerdings gibt es andere ernährungsrelevante Beschwerden, die sich nicht so einfach ausräumen lassen. In solchen Fällen ist es wichtig, dass die Betroffenen im Umgang mit ihren Beschwerden geschult werden. Bei Appetitlosigkeit oder Schluckstörungen zum Beispiel ist es hilfreich, die Nahrungsaufnahme aufzusplitten und statt den üblichen großen Mahlzeiten viele kleine Portionen über den Tag zu verteilen. Menschen mit Schluckstörungen sollten außerdem wissen, dass sie beim Essen und Trinken den Oberkörper aufrichten und den Kopf leicht nach vorne beugen sollten.8


Um eine bestehende oder drohende Mangelernährung abzuwenden, wird die normale Kost zunächst gezielt angereichert. Je nach individuellem Bedarf werden vermehrt Lebensmittel auf den Speisezettel gesetzt, die eine hohe Energiedichte bzw. einen hohen Gehalt an bestimmten Nährstoffen wie etwa Proteinen aufweisen. Ziel ist, eine individuelle Form der ausgewogenen Ernährung zu finden, die von den Betroffenen akzeptiert wird und auch umgesetzt werden kann.


Auch der Einsatz bedarfsadaptierter Trinknahrung ist eine geeignete Strategie, um einen kritischen Ernährungszustand zu verhindern oder zu korrigieren. Es gibt Trinknahrung für unterschiedliche Bedürfnisse und unterschiedliche Geschmacksvorlieben. Sie ermöglicht die Aufnahme hoher Energie- und Nährstoffmengen in kleinen Portionen. Diätetisch vollständige Trinknahrung enthält alles, was der Körper braucht und kann eventuell allein zur Bedarfsdeckung verwendet werden. Vollbilanzierte oder teilbilanzierte Trinknahrung kann aber auch mit normaler Ernährung kombiniert werden.

Verhaltenstipps, wenn eine ausgewogene Ernährung erschwert ist
Das sind reichhaltige Energie- und Nährstoffquellen


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Krebspatienten haben einen erhöhten Energie- und Nährstoffbedarf, oftmals ist die Nährstoffaufnahme erschwert. Daher sind sie häufig von Mangelernährung betroffen.


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Service


resource® Trinknahrungen sind Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke (bilanzierte Diät) zum Diätmanagement bei Mangelernährung oder bei Risiko für eine Mangelernährung.


Quellen


1 Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. Vollwertig essen und trinken nach den 10 Regeln der DGE. Online verfügbar unter: https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/10-regeln-der-dge/?L=0 – Zuletzt abgerufen: Januar 2021.


2 Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. Bedeutung von Obst und Gemüse in der Ernährung des Menschen. Online verfügbar unter: https://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/fachinformationen/bedeutung-von-obst-und-gemuese-in-der-ernaehrung-des-menschen/?L=0 – Zuletzt abgerufen: Januar 2021.


3 Pirlich M et al. The German Hospital Malnutrition Study. Clinical Nutrition 2006;25:563-572.


4 Pirlich M et al. Prevalence of malnutrition in hospitalized medical patients: impact of underlying disease. Digestive Diseases 2003;21:2445-2251.


5 Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. Gefährlicher Gewichtsverlust bei Senioren DGVS: Mangelernährung im Alter frühzeitig erkennen und behandeln. Online verfügbar unter:https://www.dgvs.de/pressemitteilungen/gefaehrlicher-gewichtsverlust-bei-senioren-dgvsmangelernaehrung-im-alter-fruehzeitig-erkennen-und-behandeln/ – Zuletzt abgerufen: Januar 2021.


6 Deutsche Seniorenliga e.V. Mangelernährung im Alter. Leitfaden für Angehörige. Online verfügbar unter:https://www.vdd.de/fileadmin/downloads/VDD_Downloads_geriatrie/ – Broschuere_Mangelernaehrung-der-DSL-1.pdf – Zuletzt abgerufen: Januar 2021.


7 Valentini L et al. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM). DGEM-Terminologie in der Klinischen Ernährung. Aktuell Ernährungsmed 2013;38:97-111.


8 Zentrum für Qualität in der Pflege. Tipps gegen Mangelernährung. Online verfügbar unter:https://www.pflege-praevention.de/tipps/mangelernaehrung-pflegebeduerftige/ – Zuletzt abgerufen: Januar 2021.


9 Berliner Krebsgesellschaft e. V. Ratgeber: Unterstützende Ernährungstherapie bei Krebserkrankungen. Online verfügbar unter:https://www.berliner-krebsgesellschaft.de/fileadmin/user_upload/Patientenratgeber/pdfs_Brosch%C3%BCren/Unterstuetzende_Ernaehrungstherapie.pdf – Zuletzt abgerufen: Januar 2021.