Über Kuhmilchproteinallergie

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Wichtige Fakten über die Kuhmilchproteinallergie

Nahrungsmittelallergie und nicht-allergische Nahrungsmittelüberempfindlichkeit

Top 8 der Nahrungsmittelallergene

Nicht-allergische Nahrungsmittelüberempfindlichkeiten resultieren aus der Unfähigkeit, bestimmte Bestandteile von Nahrungsmitteln, z. B. Laktose oder Fructose, oder – weniger häufig – Lebensmittelfarben, Zusatz- oder Konservierungsstoffe zu verdauen. Nicht-allergische Nahrungsmittelüberempfindlichkeiten stehen nicht mit einer Reaktion des Immunsystems in Zusammenhang und treten daher viel häufiger auf als Nahrungsmittelallergien.

 

Nahrungsmittelallergien entstehen durch eine Immunreaktion auf bestimmte Allergene in der Nahrung. Bei diesen Allergenen handelt es sich fast immer um Proteine. Andere Bestandteile von Nahrungsmitteln, wie Laktose oder andere Kohlenhydrate, agieren normalerweise nicht als Allergene.

 

Bestimmte Allergene verursachen mehr Reaktionen als andere. Die acht häufigsten Allergene, die bei Kindern für etwa 90 Prozent aller allergischen Reaktionen auf Nahrungsmittel verantwortlich sind, sind hier gelistet.1

 

Allergien sind bei Säuglingen und Kleinkindern auf dem Vormarsch.2

Kuhmilchproteinallergie

Kuhmilchproteinallergie ist eine der häufigsten Nahrungsmittelallergien im ersten Lebensjahr. Sie tritt auf, wenn das Immunsystem eines Säuglings ungewöhnlich auf die in der Kuhmilch enthaltenen Proteine reagiert. Diese werden entweder von der Mutter während des Stillens weitergegeben oder stammen aus Säuglingsnahrung und Beikost, die Kuhmilchproteine enthalten. Die Immunreaktion kann Immunglobulin-E-vermittelt (IgE), nicht-IgE-vermittelt oder eine Kombination aus beidem sein. Bei den Reaktionen kann es sich um Sofortreaktionen (Frühreaktionen) handeln, die Minuten bis Stunden nach der Exposition auftreten, und/oder es können verzögerte Reaktionen (Spätreaktionen) sein, die sich 48 Stunden oder sogar erst eine Woche nach dem Verzehr manifestieren. Bei Sofortreaktionen ist es wahrscheinlicher, dass IgE beteiligt ist. Bei einigen Kindern kann eine Kombination aus Sofort- und Spätreaktionen auftreten.

Laktoseunverträglichkeit

Die Laktoseunverträglichkeit resultiert aus der verringerten Fähigkeit, den in Milch vorkommenden Zucker (Laktose) aufgrund eines Mangels des Enzyms Laktase zu verdauen und zu absorbieren. Dies ist bei Kindern unter 5 Jahren sehr selten3, selbst bei Kindern mit Kuhmilchproteinallergie. Muttermilch enthält von Natur aus einen hohen Laktoseanteil, was sich auf das gesunde Wachstum und die Entwicklung des Säuglings positiv auswirkt.2

Kuhmilchprotein-allergie

Laktoseunverträglichkeit

2-3% der Kinder ≤1 year 1,2

Sehr selten bei Kindern ≤5 Jahren3

Weltweit haben 65 % der Menschen im Erwachsenenalter eine Laktoseunverträglichkeit4

1. Koletzko S, et al. J Pediatr Gastroenterol Nutr. 2012;55.(2):221–9; 2. NIH. https://ghr.nlm.nih.gov/condition/lactose-intolerance#statistics (aufgerufen im Februar 2017); 3. Heyman MB. Pediatrics. 2006;118(3):1279–86; 4. NIH. Lactose intolerance. Verfügbar unter: https://ghr.nlm.nih.gov/condition/lactose-intolerance#statistics (aufgerufen im Februar 2017).

Bedeutung von Laktose für die Mikrobiota

Laktose ist ein Disaccharid, das aus Glucose und Galactose besteht.3 Als ein Hauptbestandteil der Muttermilch ist Laktose wichtig für ein gesundes Wachstum und eine gesunde Entwicklung, indem sie Energie liefert und die Absorption von Kalzium fördert. Im Darm hemmt Laktose Fäulnisbakterien und begünstigt die Entwicklung der physiologischen Darmflora (z.B. der wertvollen Bifidus-Bakterien).4 Deshalb sollte Laktose nicht ohne Grund aus der Ernährung des Kindes eliminiert werden.

 

Laktose hat außerdem noch einen anderen wichtigen Vorteil: sie verbessert den Geschmack der Nahrung. Der angenehme Geschmack von Laktose trägt dazu bei, dass extensiv hydrolysierte Säuglingsnahrung (eHF), die für das Kuhmilchproteinallergie-Management bei Kindern bestimmt ist, besser angenommen wird. Dies bestätigt die Notwendigkeit für Laktose in der kindlichen Ernährung.

Inzidenz und Prävalenz von Kuhmilchproteinallergie
% der Kinder, die aus Kuhmilchproteinallergie ab dem ersten Lebensjahr herauswachsen

In Europa durchgeführte, prospektive Kohortenstudien deuten auf eine 10-Jahres-Prävalenz von 1,9 % bis 4,9 % für Kuhmilchproteinallergie im frühen Kindesalter hin.5 Die Ergebnisse einer Metaanalyse von 229 Publikationen, die zwischen 1967 und 2001 veröffentlicht wurden, bekräftigen dies, wobei gezeigt wurde, dass die Kuhmilchproteinallergie-Inzidenzraten zwischen 2% und 3% bei Kindern unter einem Jahr liegen.6

 

Die Mehrheit der Kinder wächst aus der Kuhmilchproteinallergie heraus: 60–75 % der Kinder entwachsen der Kuhmilchproteinallergie bis zum 2. Lebensjahr; diese Zahl erhöht sich auf 85–90 % vor dem 3. Lebensjahr. Die Kuhmilchproteinallergie-Inzidenz beträgt bei 5-jährigen Kindern nur 1 %.6



Anzeichen und Symptome einer Kuhmilchallergie
Durch die unspezifischen Anzeichen und Symptome der Kuhmilchallergie, die von Koliken und Reflux bis hin zu Verstopfung, Schlaflosigkeit, Ekzemen, Durchfall, und Weinen reichen können, ist die Diagnostik eine wahre Herausforderung. Die Symptome betreffen viele verschiedene Organsysteme, vornehmlich die Haut, den Magen-Darm-Trakt und die Atemwege. Wenn zwei oder mehr Organsysteme betroffen sind, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer Kuhmilchallergie.
Verdauungssymptome bei einer Kuhmilchproteinallergie

Verdauung


  • Dysphagie
  • Reflux und Regurgitation
  • Kolik
  • Bauchschmerzen
  • Erbrechen – Appetitlosigkeit, Nahrungsverweigerung
  • Durchfall ± intestinaler Eiweiß- oder Blutverlust
  • Verstopfung ± perianaler Ausschlag
  • Gedeihstörung
  • Okkulter Blutverlust
  • Eisenmangelanämie

Prävalenz von Verdauungssymptomen bei Kuhmilchproteinallergie

Bis zu 60% der betroffenen Kinder zeigen Verdauungssymptome.

Atemwegssymptome bei einer Kuhmilchproteinallergie

Atemwege


  • Laufende Nase
  • Keuchen oder pfeifende Atmung
  • Chronischer Husten (alles ohne Zusammenhang mit Infektionen)










Prävalenz von Atemwegssymptomen bei Kuhmilchproteinallergie

Bis zu 30% der betroffenen Kinder zeigen Atemwegssymptome.

Hautsymptome bei einer Kuhmilchproteinallergie

Haut


  • Urtikaria
  • Atopische Dermatitis (Ekzem)
  • Ausschlag
  • Angioödem












Prävalenz von Hautsymptomen bei Kuhmilchproteinallergie

Bis zu 70 % der betroffenen Kinder zeigen Symptome, die die Haut betreffen.

Allgemeine Symptome bei einer Kuhmilchproteinallergie

Allgemein


  • Anaphylaxie
  • Schockähnliche Symptome mit schwerer metabolischer Azidose
  • Kindliche Schlaflosigkeit
  • Untröstliches Weinen











Untröstliches Weinen ist sehr häufig bei Säuglingen mit einer Kuhmilchproteinallergie, während Anaphylaxie sehr selten auftritt.


Literaturhinweise

  1. US FDA. Food Allergies: What You Need to Know. Verfügbar unter: http://www.fda.gov/Food/ResourcesForYou/Consumers/ucm079311.htm (aufgerufen im Januar 2017).
  2. Koletzko S, et al. Diagnostic Approach and Management of Cow’s-Milk Protein Allergy in Infants and Children: ESPGHAN Gl Committee Practical Guidelines. JPGN. 2012;55:221–9.
  3. Heyman MB, et al. Committee on Nutrition. Lactose intolerance in infants, children, and adolescents. Pediatrics. 2006;118(3):1279–86.
  4. Francavilla R, et al. Effect of lactose on gut microbiota and metabolome of infants with cow’s milk allergy. Pediatr Allergy Immunol. 2012;23(5):420–7.
  5. Prescott SL, et al. A global survey of changing patterns of food allergy burden in children. World Allergy Organ J. 2013;6(1):21.
  6. Høst A. Cow’s milk protein allergy and intolerance in infancy. Some clinical, epidemiological and immunological aspects. Pediatr Allergy Immunol. 1994;5:1–36.
WICHTIGER HINWEIS: Mütter sollten ermutigt werden weiter zu stillen, aber grundsätzlich auf den Verzehr von Milch und jeglicher Milchprodukte zu verzichten. Dies erfordert in der Regel eine qualifizierte Ernährungsberatung, um auch alle Quellen von verborgenem Kuhmilcheiweiß auszuschließen. Wenn die Entscheidung getroffen wurde, eine Spezialnahrung für den Säugling zu verwenden, ist es wichtig Gebrauchsanweisungen für eine korrekte Zubereitung zu geben und hervorzuheben, dass nicht abgekochtes Wasser, nicht sterilisierte Flaschen oder eine falsche Verdünnung zur Erkrankung des Kindes führen können. Spezialnahrungen (Diätetische Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke) für Säuglinge sind unter ärztlicher Aufsicht zu verwenden.