Morbus Crohn verstehen​

Morbus Crohn verstehen

Wenn du zum ersten Mal mit Morbus Crohn konfrontiert bist – ob durch eigene Beschwerden oder durch eine Diagnose in deiner Familie oder im Freundeskreis –tauchen fast immer dieselben Fragen auf: „Was ist Morbus Crohn?“, „Welche Symptome gibt es?“, und „Wie erkenne ich einen Schub?“

Besonders am Anfang fühlen sich viele Betroffene unsicher. Hier findest du einen guten Überblick, damit du Symptome besser einordnen kannst und weißt, wie Ärzt:innen eine sichere Diagnose stellen.

Was ist Morbus Crohn?

Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED). Die Entzündungen können an unterschiedlichen Stellen im Verdauungstrakt auftreten. Am häufigsten sind der letzte Abschnitt des Dünndarms und der Dickdarm betroffen.

Bezeichnend ist, dass sich die Entzündung nicht nur auf die oberste Schicht der Darmschleimhaut beschränkt. Sie kann auch tiefer in die Darmwand eindringen. Dadurch erklärt sich, warum die Erkrankung bei manchen stärker oder schwächer ausgeprägt ist, sich auf benachbarte Körperbereiche ausweiten kann und sehr unterschiedlich verläuft.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankung: Was ist das?

Ist die wichtige Immunabwehrfunktion des Darms gestört, ist er anhaltenden Entzündungen ausgesetzt und man spricht von einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung.

„Chronisch“ bedeutet, dass die Erkrankung nicht heilbar ist und man lernen muss, mit ihr zu leben. Die am häufigsten auftretenden chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen heißen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa: Unterschiede

Auch wenn beide Erkrankungen eine Reihe von Gemeinsamkeiten aufweisen, gibt es klare Unterschiede.

Morbus Crohn

Morbus Crohn

  • Kann in allen Bereichen des Verdauungstrakts auftreten.
  • Alle Schichten der Darmwand können betroffen sein und auch außerhalb des Darmes können Beschwerden auftreten.
Morbus Crohn

Colitis ulcerosa (CU)

  • Breitet sich im Dickdarm aus.
  • Betrifft in der Regel nur die innerste Schicht der Darmwand, die Darmschleimhaut.

Was sind die Symptome von Morbus Crohn?

Die Erkrankung verläuft typischerweise schwankend: Zeiten mit Beschwerden (Schub) wechseln sich mit Phasen ab, in denen du dich weitgehend beschwerdefrei fühlst (Remission). Die Symptome entwickeln sich oft schleichend - manche Betroffene erkennen erst rückblickend, wie lange sie schon erkrankt sind.

Folgende Symptome treten häufig auf:

  • Bauchschmerzen, oft im rechten Unterbauch (weil häufig der letzte Abschnitt des Dünndarms entzündet ist)
  • Durchfall, teilweise mehrmals täglich, manchmal mit Schleim oder Blut
  • Völlegefühl, Blähungen, Übelkeit, Appetitlosigkeit
  • Gewichtsverlust, Müdigkeit, verringerte Leistungsfähigkeit

Zusätzlich können Symptome auftreten, die außerhalb des Darms liegen. Dazu gehören entzündliche Veränderungen an Haut, Augen oder Gelenken. Fachleute nennen diese Begleiterkrankungen extraintestinale Manifestationen. Sie können Hinweise darauf geben, wie aktiv die Erkrankung gerade ist.

Vielleicht hast du den Eindruck, sehr schnell kraftlos oder überfordert zu sein. Das können ebenfalls Begleitsymptome von Morbus Crohn sein. Eine ausführlichere Erklärung dazu findest du im Ratgeber-Artikel Leben mit Morbus Crohn.


Morbus Crohn im Bauchnabel – ein typisches Symptom?

Manche Betroffene empfinden Schmerzen im Bereich des Bauchnabels, obwohl der Entzündungsherd woanders liegt. Schmerzen „im Bauchnabel“ stammen medizinisch oft aus:

  • dem letzten Dünndarmabschnitt im rechten Unterbauch (Ileum),
  • dem mittleren Dünndarmabschnitt (Jejunum),
  • Ursachen, die an einer anderen Stelle im Körper bestehen und über Nerven in den Bereich des Bauchnabels ausstrahlen,
  • unklaren körperlichen Gründen (funktionelle Beschwerden).

Die Gründe für Missempfinden im Bereich des Bauchnabels können also sehr unterschiedlich sein. Sinnvoll ist, dies medizinisch abklären zu lassen, um sicher und umfassend Bescheid zu wissen.


Wie kündigt sich ein Morbus-Crohn-Schub an?

Ein Schub bedeutet, dass die Entzündung im Darm aktiver wird. Viele Betroffene spüren zunächst leise Veränderungen, bevor die Symptome deutlicher werden. Häufig beginnt ein Morbus Crohn Schub mit zunehmenden Bauchschmerzen, meistens auf der rechten Unterbauchseite, weil die Entzündung hier besonders oft aufflammt. Dazu kommen typischerweise häufigere und weichere Stuhlgänge als sonst, manchmal auch Fieber oder Gliederschmerzen - Zeichen dafür, dass das Immunsystem aktiv ist. Auch Appetitverlust, unbeabsichtigte Gewichtsabnahme oder eine ausgeprägte Müdigkeit (Fatigue) können frühe Warnhinweise sein.

Die Symptome können über mehrere Tage anhalten oder stärker werden. Wenn du solche Veränderungen wahrnimmst, lohnt es sich, zeitnah mit deiner behandelnden Ärztin oder deinem Arzt zu sprechen, um einen Schub früh zu erkennen und gegenzusteuern.


Morbus Crohn Selbsttest – sinnvoll oder nicht?

Ganz klar: Nicht sinnvoll. Es gibt keinen wissenschaftlich bestätigten Selbsttest, mit dem du Morbus Crohn zuverlässig feststellen könntest. Eine Selbstdiagnose per Fragebogen oder Online-Test ist medizinisch nicht verlässlich und kann Morbus Crohn weder sicher bestätigen noch ausschließen. Die Abklärung gehört in ärztliche Hände und umfasst ein ausführliches Gespräch, Blut- und Stuhluntersuchungen, bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder MRT, eine Darmspiegelung sowie die Untersuchung von entnommenem Gewebe.


Morbus-Crohn-Diagnose: Was untersucht wird und warum?

Wenn der Verdacht auf Morbus Crohn besteht, gehen Ärzt:innen schrittweise vor. Ziel ist es, die Entzündung sicher zu erkennen und ihre Ausdehnung einzuschätzen.

Zunächst steht das ärztliche Gespräch im Mittelpunkt: Welche Beschwerden treten auf, seit wann bestehen sie, und gibt es Schübe oder ähnliche Erkrankungen in der Familie? Danach folgt eine körperliche Untersuchung.

Wichtige Hinweise liefern Blut- und Stuhluntersuchungen. Entzündungswerte im Blut und das sogenannte Calprotectin im Stuhl zeigen, ob im Darm eine Entzündung aktiv ist.

Um den Darm genauer zu beurteilen, werden bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder eine spezielle MRT-Untersuchung eingesetzt. Entscheidend ist meist eine Darmspiegelung (Koloskopie), bei der kleine Gewebeproben entnommen werden, bzw. Bei Dünndarmbefall eine Videokapselendoskopie. Sie helfen, die Diagnose zu sichern und den Krankheitsverlauf einzuordnen.


Morbus Crohn: Ein kurzer Blick auf die Behandlung

Die Behandlung von Morbus Crohn wird immer individuell angepasst – je nachdem, wie aktiv die Entzündung ist und welche Darmabschnitte betroffen sind. Neben Medikamenten spielt gerade auch die Ernährung eine wichtige Rolle, um den Darm zu entlasten, die Heilung zu fördern und vor allem bei Kindern und Jugendlichen das Wachstum und die Entwicklung zu unterstützen.

Mehr dazu findest du in den Ratgebern Morbus Crohn Therapie und Ernährung bei Morbus Crohn.


FAQ – Häufige Fragen zu Morbus Crohn

Morbus Crohn äußert sich meistens durch wiederkehrende Bauchschmerzen (besonders im rechten Unterbauch), Durchfall, Müdigkeit und ungewollten Gewichtsverlust. Die Beschwerden können unterschiedlich stark sein und sich im Verlauf verändern.

Ein Schub beginnt oft schleichend. Viele merken zuerst, dass Bauchschmerzen häufiger oder stärker werden, Durchfälle öfter auftreten oder die Belastbarkeit deutlich nachlässt.

Nein, einen sicheren Selbsttest gibt es nicht. Fragebögen können Hinweise liefern, ersetzen aber keine ärztliche Diagnostik. Daher: Bei anhaltenden Beschwerden diese immer ärztlich abklären lassen.

Die Untersuchung stützt sich auf das Arztgespräch, Blut- und Stuhluntersuchungen, bildgebende Verfahren und eine Darmspiegelung. Erst die Kombination dieser Schritte ermöglicht eine verlässliche Diagnose.

Ja, z. B. als Gelenkschmerzen, Hautveränderungen oder Augenentzündungen. Diese Begleiterscheinungen können mit der Aktivität der Erkrankung zusammenhängen.

Ein guter Umgang mit der Erkrankung beginnt damit, die eigenen Symptome ernst zu nehmen und Veränderungen früh zu erspüren. Regelmäßige ärztliche und ernährungstherapeutische Begleitung, eine passende Behandlung und Wissen über Ernährung und Auslöser können dir dabei helfen, mehr Sicherheit im Alltag zu gewinnen. Mehr dazu findest du in den Ratgebern Morbus Crohn Therapie und Ernährung bei Morbus Crohn.

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